Aus fernen Zeiten

Ein Beitrag aus heutiger Sicht, um mögliche Missverständnissen zu klären.

Ich fühle mich glücklich. Ich war auch ein glückliches Kind. Vielleicht nicht immer zu hundert Prozent, aber glücklich, ganz sicher.

Dieser Blog kann verstanden werden als eine Sammlung von Erinnerungen und Gedanken aus fernen Zeiten. Eine Steinsammlung eben. Die Steine trage ich schon lange mit mir herum, manche Steine wiegen so schwer, dass man beide Hände benötigt, um sie hochzuheben, manche sind kieselsteinartig leicht. Sie erinnern an ferne Zeiten. Damals lebte eine Prinzessin. Man muss dazu sagen, dass heute fast niemand mehr weiß, dass es diese Prinzessin wirklich gegeben hat, was eigentlich unvorstellbar ist. Hätte mir damals jemand gesagt, dass es mal so weit kommen wird, ich hätte nur ungläubig mit dem Kopf geschüttelt. Hallo, man darf doch nicht einfach so tun, als hätte es diese Prinzessin nie gegeben!
Also, hier bin ich und sage: Ja, es hat diese Prinzessin wirklich gegeben. Sie war hier! Ich weiß sonst nicht mehr allzuviel über sie, aber sie war hier!
Als die Prinzessin lebte, zu fernen Zeiten, war ich ich, aber nicht so, wie ich es heute bin. Ich habe neue Gedanken entwickelt, ich bin nun ein paar Jahre älter als früher. Ich habe merkwürdig gedacht als Kind, fällt mir auf und ich lächele, und es fühlt sich so an, als würde ich durch ein Museum meiner Gedanken gehen.

Ich habe mich oft geirrt, als ich ein Kind war. Aber auch heute irre ich mich noch oft, und das ist okay. Es gibt Dinge, die ich heute besser weiß. Ich habe tiefsinnige Gedanken gehabt, auf die ich heute nicht mehr kommen würde. Ich habe das Leben und den Tod mit anderen Augen gesehen.
Ich erinnere mich daran, wie ich das Leben und den Tod gesehen habe, ja, nicht nur das Leben und den Tod, auch wie ich die Erwachsenen gesehen habe, manchmal, als wären sie wie aus einer anderen Welt. Die tun komische Dinge! Die verbuddeln meine Schwester in der Erde!

Ich kenne wenig Berichte, die aus der Sicht von Kindern darüber erzählen, wie es ist, wenn man eine Prinzessin zur Schwester hat und wie es ist, wenn sie plötzlich stirbt. Deshalb möchte ich davon erzählen, denn, wie bereits gesagt, ich erinnere mich, zumindest ein wenig, an das Leben, den Tod und die Erwachsenen aus fernen Zeiten. Als ein Beispiel, wie es sein kann, was man denken und fühlen kann. Wir vergessen viel, wenn wir Erwachsen werden und vor allem nehmen wir oft unsere Gedanken, die wir als Kinder hatten, nicht mehr ernst.

Ich will das nur hier festhalten.

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7 Gedanken zu “Aus fernen Zeiten

  1. Kinder sind phillosoph_inn_en…aber viele gedankengänge, die du so schön beschreibst, habe ich auch, als erwachsenne, als mutter. Vieleicht bin ich auch einfach noch nicht erwachsen genug. Danke, für deine texte, ich habe solche angst, etwas mit der Kleinen falsch zu machen, es gibt so wenig informationen in der öffentlichkeit, über die verwaisten geschwister. Es will sowieso niemand über den tod sprechen, vor allem, wenn kinder von uns gehen. Danke!!!
    Lovis

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    1. Hallo Lovis,
      danke für deinen Kommentar.
      Manche Gedanken habe ich heute immer noch, zum Beispiel denke ich, dass ich mich wohl nie wieder ganz vollständig fühlen kann oder dass sie mir zu weit weg ist. Das hat wohl nicht unbedingt etwas mit Erwachsensein oder Kindsein zu tun, sondern mit Vermissen.
      Ich glaube nicht, dass du was falsch machst, und ich glaube auch nicht, dass du davor Angst haben musst. Du machst dir Gedanken darum, das ist toll! Solange du dir Gedanken darum machst und „wachsam“ und offen bist, solange kann nichts schief gehen, denke ich.
      Wie Kinder mit einer solchen Situation umgehen, ist wahrscheinlich sehr individuell. Wenn ich Tipps geben sollte, dann vielleicht, immer im Dialog zu bleiben, zu erzählen, nicht zu vergessen, Erinnerungsstücke aufbewahren, offen zu sein.
      Meine Eltern haben mir manchmal gesagt: „Du kannst immer fragen, wenn du Fragen hast“, aber ich habe nie gefragt. Im Nachhinein denke ich oft, sie hätten einfach erzählen sollen.
      Liebe Grüße

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      1. Aber ich habe angst, dass ihre schwester dann übermächtig über ihr steht, ich will nicht, dass sie sie irgendwann blöd findet, wenn sie sich ein foto, oder ein video mit ihr sieht, das ist die größte der vielen ängste, dass sie sie irgendwann nichtmehr leiden kann, weil wir was falsch, zu viel, oder zu wenig machen. Sie war 10 monate alt, als Ronja starb, und Ronja hat sie mehr geliebt, als sonst irgend etwas auf der welt.
        Danke für deine texte!!!

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  2. Ja, die Balance zu finden zwischen zu viel und zu wenig ist wohl schwierig: Warum denkst du, dass deine kleine Tochter die große irgendwann blöd finden könnte? Hast du Angst, dass deine kleine Tochter sich zurückgesetzt und weniger geliebt fühlen konnte, durch die Erzählungen, die Videos und Fotos über ihre Schwester? Oder hast du Angst, dass deine kleine Tochter den Bezug zu ihrer großen Schwester verlieren könnte, sie vergessen, sie nicht mehr lieben könnte? Oder habe ich dich da komplett falsch verstanden?
    Ich denke, dass es irgendwann „merkwürdig“ für deine kleine Tochter sein könnte, eine Schwester zu haben, an die sie sich nicht mehr erinnern kann. Hier sind Fotos, Video und Erzählungen ein wunderbarer Schatz. Ich wünsche mir oft, ich hätte irgendwelche persönlichen Gegenstände von meiner Schwester, ein Kuscheltier, ein Kleidungsstück, das sie getragen hat… Es gibt keine Videos und nur sehr wenige Fotos von ihr. Wenn du deiner kleinen Tochter später erzählst, wie sehr sie Ronja (ein toller Name!) geliebt hast, dann wird sie sich darüber freuen, denke ich, und sie nicht blöd finden, warum sollte sie?

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  3. Oh, wie schön ich deine Texte finde. Und wie wunderbar das Gehirn in wichtigen Dingen funktioniert manchmal. Das du so viel gespeichert hast aus der Zeit. Ein Geschenk aus dem Prinzessinnenland würde ich mal sagen. Danke! Und liebe Grüsse!

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    1. Vielen Dank für deine Worte. Lange Zeit war ich so traurig, weil ich dachte, dass ich so viel vergessen habe… inzwischen weiß ich, dass ich viel vergessen habe, aber auch viel gespeichert habe… viel wichtiges, unberührtes….
      Prinzessinnenland, das ist ein schönes Wort, das gefällt mir sehr.

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